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Über Übervokale

Das ist eins der spannendsten Kapitel der Stimmbildung. Jeder Vokal hat ja eine bestimmte Klangqualität bzw. physikalisch ausgedrückt Frequenzmischung, das heißt bei verschiedenen Vokalen werden verschiedene Frequenzbereiche (Obertöne) unterschiedlich stark aktiviert. Dadurch entstehen überhaupt erst die Vokale bzw. werden akustisch wahrnehmbar und unterscheidbar. Damit einhergehend bekommt jeder Vokal auch eine bestimmte sogenannte Klangfarbe.

Nun kann man sich die unterschiedlichen Vokalqualitäten zunutze machen, indem man einen der Vokale als Grundlage für alle anderen nimmt - dieser Vokal wird damit zum "Übervokal" -  und die anderen in die gleiche Richtung färbt. Dann klingt zum Beispiel ein u ein bisschen nach i oder ein a ein bisschen nach e und so weiter. Damit kann man toll experimentieren und die unterschiedlichen Register und sogar unterschiedliche Stile und Genres herausarbeiten. Während zum Beispiel die u-Färbung eher für Klassik oder Jazz passend ist, ist die i-Färbung eher für Musical geeignet etc.. Natürlich kann man das nicht so kategorisch sehen, wie das erst mal klingen mag, und es ist auch individuell von Stimme zu Stimme und je nach Klangideal etwas unterschiedlich, aber auf diese Weise das Klangrepertoire zu erweitern und neue, ungewohnte Klänge aus den Stimmen herauszuholen, habe ich in meinem Unterricht immer wieder als sinnvoll erfahren. 

 

Euer Christoph